Sonntag, 7. März 2010

Von (Un)Bewohnbarkeiten

Das Wohnungsuchen und Besichtigen will gelernt und bedacht sein. Vor allem in Berlin. Man hört ja vom hohen Leerstandanteil, dies mag sicher so sein, doch ein Gutteil der leerstehenden Wohnung sind schlicht und einfach nicht bewohnbar.
Ein Auszug unserer Besichtigungstour in Berlin, ein richtiger Brüller, war eine unglaublich euphemistische Anzeige nach dem Tenor Wohnung mit Traumterasse. Ich zitiere: " The best place to live".
Ich träumte schon davon mit Luki an der Hand auf dem gepflegten eigenen Rasen, seine ersten Schritte zu üben.
Ah, es waren übrigens auch keine Fotos bei der Anzeige, da hätte ich stutzig werden können.
Komisch fand ich dann ja schon die zweisprachig, Deutsch und Englisch, gehalten Anzeige, aber hoffte irgendwie auf DEN Glücksfall.
Wie ja die meisten Menschen auf der Suche nach dem Schnäppchen mit tollen Standard sind..
Ich darf vorweg verraten: Gibts net..
Auch die aktuelle Wohnung haben wir uns schöngeredet, übrigens für ihre Lage Nähe Viktoria-Luise Platz in Berlin ein "Schnapp".
Dafür weil zu kalt, (18 Grad) und nicht beheizbar, eigentlich net bewohnbar.


Als wir dann in Berlin Kreuzberg, es stand Bergmannstraßenkiez, also eine echt nette Gegend ankamen, zeigte sich, daß für den Vermieter ganz Kreuzberg Nähe Bergmannstraße ist.
Die Wohnung befand sich direkt am S-Bahnhof Yorkstraße mit Blick auf die S-Bahntrasse, weit weg von der Bergmannstraße
Dafür trafen sich aber die soziale Brennpunkte von zwei Berliner Bezirken (Kreuzberg und Schöneberg) aufeinander, was nicht unbedingt ein einladenes Gefühl verbreitete.

Sodann an der Haustüre eines ziemlich heruntergekommenen Hauses, blickten wir auf ein multikulturelles Klingelschild und beim Eintreten in den Hausflur, stolperte uns ein ca. 40 jähriger Mann mit eingefallen Wangen, aufgeblähten Bauch und dazu konträr wirkenden schlanken Ärmchen entgegen, der nach einer teuflischen Mischung von Wodka, Bier und billigen Zigaretten stank.

Die Wohnung sollten wir bei den Vormietern besichtigen, und läuteten dann an der Wohnungstür.
Ein weißhaariger Berliner in Joggingsuite öffnete uns die Tür, und wir betraten..
Wir betraten eine Rumpelkammmer, angestellt bis an die Decke war die Wohnung mit seltsamen Gegenständen von Schaufensterpuppen bis Plastikbilder.
Es war bedrückend, dazu noch der unglaubliche Mief von 4 Packungen Zigaretten am Tag, Lufterfrischer und fehlendem Sauerstoff.
Innerlich trieb es mich schon wieder rückwärts aus der Wohnung.
Der Herr bewohnte die Wohnung mit seinem ca. 20 jährigen Sohn und seiner gehbehinderten Frau, die auf dem einzig freien Platz in der Wohnung am Sofa lag.
Die Wände waren zwar in allen bedenklichen Farben gestrichen, reflektierten aber wegen der Erdgeschoßlage einfach nur modrige Dunkelheit. Dunkel ist vielleicht der falsche Ausdruck, noch vor der Elektrifizierung wäre hier ein einziges schwarzes Loch gewesen. Edison sei Dank!!
Die Terrasse schien im morastigen Innenhof des Hauses, gleich einem überladenen Schiff auf Grund gelaufen und war nur noch unter der sichtbaren Spitze eines hohen Gerümpelberges zu erahnen.
In der Wohnung, schienen die dunklen Kammern ineinander zu fließen, ich hatte Angst die Orientierung zu verlieren und katastrophierte meinen Mann, Luki und vor allem den Ausgang der Höhle, nie wieder zu finden.

Aus dem Dunkel tönte die zu erwartende Litanei eines Gestrandeten über die Araber, Türken in seiner Straße, die an seiner trostlosen Existenz schuld seien und noch an allem anderen.
Doch das dieser Mann selbst zu den "Sie verstehen mich schon, ich bin kein Rassist, aber wie die sich hier aufführen und leben" (Zitat) zählt und ich selbst Halbarberin bin, und auch ein bisschen so aussehe, fiel ihm gar nicht erst auf.

Da anscheinend nicht besonders viele Menschen mit ihm freiwillig Kontakt halten, nützte er die Gelegenheit und quasselte eine halbe Stunde auf uns ein.
Währenddessen ich a) froh war das Bärli im Maxicosi schlief und sich das Unglück nicht ansah, b) ich Angst um seine Gesundheit wegen dem dortigen Mief hatte und c) war ich unendlich dankbar, daß mein Mann mit war und ich keine alleinerziehende Mutter bin.


Unnötig zu schreiben, daß wir diese Wohnung nicht nahmen..
Die gewählte, welche nächste Woche bezogen wird, hat andere Mankos, darüber andern Mal mehr...

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